Ostfriesland und seine Teekultur

Ostfriesland und seine Teekultur

Jeder Ostfriese trinkt im Durchschnitt 300 Liter Tee pro Jahr.

Damit ist die Region im Nordwesten Deutschlands weltweit Spitzenreiter im Teekonsum und übertrifft selbst bekannte Teenationen wie Großbritannien und China. Bereits im 17. Jahrhundert brachten unsere holländischen Nachbarn Tee aus Indien nach Europa und auch nach Ostfriesland, wo das anregende Getränk besonders geschätzt wurde. In über 400 Jahren ist eine eigene Teekultur entstanden, die im vergangenen Jahr offiziell zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands erklärt wurde.

Das „Ostfriesenrecht“

Die Ostfriesen genießen ihre „Teetied“, wie die Teezeit im regionalen Dialekt genannt wird. Sie gibt dem Alltag Struktur, schafft Pausen und stärkt das Miteinander, erklärt der Deutsche Teeverband. Nach dem ersten Tee am frühen Morgen folgt das „Elführtje“ (11 Uhr) als Teepause am späten Vormittag und der Nachmittagstee gegen 15 Uhr. Meist wird auch abends in geselliger Runde noch ein Tässchen getrunken. Ein Gast bekommt mindestens dreimal ohne Aufforderung nachgeschenkt, denn „Drei Tassen sind Ostfriesenrecht“. Ist die Teelust versiegt, wird der Löffel diskret in die Tasse gelegt.

Der Ostfriesentee

Ein echter Ostfriesentee hat eine kupferrotbraune Farbe und einen kräftigen, herb-aromatischen Geschmack. Er ist eine Mischung aus bis zu über 20 Schwarzteesorten. Sie stammen vor allem aus der indischen Region Assam, aber auch aus Sri Lanka und Indonesien.

So läuft eine ostfriesische Teezeremonie ab

Wer einen Ostfriesentee authentisch genießen möchte, folgt den Regeln der Teezeremonie. Zunächst werden die losen Teeblätter mit sprudelnd heißem Wasser aufgegossen. Man nimmt etwa 10 Gramm Tee pro Liter und füllt die erwärmte Kanne bis zur Hälfte auf. Erst nach dem Ziehen von 3 bis 5 Minuten wird sie vollkommen gefüllt. In die typische zarte Porzellantasse mit der ostfriesischen Rose kommt ein großer weißer Kandisbrocken („Kluntje“). Wenn der Tee darüber gegossen wird, stimmt ein leises Knistern auf den Genuss ein. Anschließend wird die Sahne mit einem speziellen Sahnelöffel vom Rand aus in die Tasse gegeben – und zwar gegen den Uhrzeigersinn. Das soll die Zeit während des Teetrinkens symbolisch anhalten. Die Sahne sinkt nach unten und steigt wieder auf, um ein Wölkchen („Wulkje“) zu bilden. Jetzt ist der Tee trinkfertig und darf nicht umgerührt werden. Nur so bietet jeder Schluck ein neues Geschmackserlebnis – erst die Milde der Sahne, dann das herbe Aroma des Tees und zum Schluss die Süße des Kandis.

Quelle: Heike Kreutz, www.bzfe.de

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